Reverend Schulzz

Reverent Schulzz

 

 

Reverend Schulzz wird hier zulande von Kritikern gerne als einer der Besten seines Genres genannt.

Seit Anfang der Neunziger Jahre hat sich Schulzz mit seinen Bands wie „The Swamp“ oder „The Crow“ eine gehörige Menge Aufmerksamkeit und Anerkennung bei Medien, Publikum und Kritikern erspielt. So bezeichnete z.B. Alan Bangs das Crow-Debüts „Combat Folk Songs“ als eines der 10 besten Alben des Jahres.

Und auch die internationalen Kollegen sparten nicht mit Lob: Nach Auftritten des Singer/Songwriters mit Künstlern wie Townes van Zandt, Yo La Tengo, Giant Sand oder Ian Matthews schwärmte Desert-Rock-Legende Rich Hopkins beispielsweise von Schulzz im gleichen Atemzug wie von Größen wie Paul Westerberg oder Steve Wynn.

Er selbst bezeichnet seine Musik, die als eine Mischung aus Folk, Blues, Country und Einflüssen aus dem musikalischen Untergrund der letzten Jahrzehnte daher kommt, als „Folk based Alternative“.

Einen Stil, den er mit Akustikgitarre, Harmonika und seiner sonoren Stimme präsentiert und sich dabei von einem Ensemble aus erfahrenen Bandmusikern, oft aber auch lediglich von einem Akkordeon oder einer zweiten Gitarre begleiten lässt. Nachzuhören auf inzwischen drei Soloalben – am Besten aber live.

http://www.schulzz.com

 

CD_Reverend_Schulzz_Hobo_Submarine_Cover

Reverend Schulzz & The Holy Service · CD Hobo Submarine

Cat.-Nr.: UPF-00102 · Cellarphon Records (LC 10104) · c/o United Power Fields

Genaugenommen führt die Reise nirgendwohin – so ist es letztendlich immer bei ihm. Und trotzdem entdeckt man dabei eine ganze Welt, schließlich beginnen alle Reisen im Kopf …!

Wenn Reverend Schulzz in Zeiten von Web 2.0 und Globalisierung, Weltraumtourismus und digitaler Kriegsführung ein Verkehrsmittel auftut, mit dem er per Anhalter unterwegs sein kann, dann kann man sicher sein, dass es ein hoffnungslos anachronistisches ist: War es bei seinem Solodebüt „Mayfly“ noch ein Luftschiff, das wie die im gleichnamigen Stück besungene Liebe im Desaster endet, ist es beim nunmehr dritten Werk der Hanauer Singer/Songwriter-Legende ein rostiges altes U-Boot, das durch die Zeit ins Unbekannte fährt. Natürlich ein Untergrundboot – denn da sind seine Wurzeln: Im Alternative-Bereich (früher nannte man sowas Indie oder eben „Underground“), in dem er sich Anfang der Neunziger Jahre mit seinen Bands wie „The Swamp“ oder „The Crow“ eine gehörige Menge Aufmerksamkeit und Anerkennung bei Medien, Publikum und Kritikern erspielte. So bezeichnete z. B. Alan Bangs das Crow-Debüt-Album „Combat Folk Songs“ als eines der 10 besten Alben des Jahres. Und auch die internationalen Kollegen sparten nicht mit Lob: Nach Auftritten des Reverend mit Künstlern wie Townes van Zandt, Yo La Tengo, Giant Sand oder Ian Matthews schwärmte Desert-Rock-Legende Rich Hopkins beispielsweise von Schulzz im gleichen Atemzug wie von Größen wie Paul Westerberg oder Steve Wynn.

Nun also besteigt der Meister der melancholischen Alltagskurzgeschichten und zerbrechlichen Nachtpredigten das „Hobo Submarine“ und sticht in See. Man könnte meinen, er hätte sämtliche Reise-Tipps des „Travel Agency Girls“ von seinem Debütalbum ( – das diesmal übrigens seine ähnlich hoffnungslos eskapistische Entsprechung in der jungen Apothekerin bekommt, für die der Ich-Erzähler statt Traumzielen nun Krankheiten imaginiert („Drugstore Girl“) – ) gesammelt und in die Tat umgesetzt: So findet man sich mit ihm barfuß in fernen Wüsten wieder („The Well“) oder im wilden „Paraguay“ (ein einfühlsam-geniales Hopkins-Cover) oder natürlich irgendwo auf der Welt in einer Hotelbar, die mit einsamen Typen bevölkert ist („Hotel Bar“). Aber auch auf dem Karussellpferd reist man – in die Vergangenheit und in Phantasiewelten gleichermaßen („Wooden Horse“) – oder mit der Straßenbahn in die Innenstadt in den Waschsalon, um beim Schleudergang zu meditieren („Centre Of The World“). Oder auch ganz einfach nur mit dem Mountainbike zur Liebsten („Girl & Bycicle“).

Es sind dies allesamt Reisen, für die man keine American Express-Karte braucht, vielmehr führen sie zu nostalgischen Orten und Fluchtpunkten der Sehnsucht, die bewohnt sind von Working Class-People und allegorischen Figuren, wie den Gespenstern in der Hotelbar oder dem „Candy Thief“, der die mit „Pony“ vom Mayfly-Album begonnene Serie von vermeintlichen Kinderliedern fortsetzt, die ganz nebenbei ins Unheimliche abrutschen.

Überhaupt wirkt „Hobo Submarine“ eigentlich wie die logische Fortsetzung von „Mayfly“: Vom Pony zum Karussellpferd, vom Travel Agency Girl in die Pharmacy, vom Luftschiff ins U-Boot… Die lauteren Stellen der „First Division Town“ sind zugunsten der leiseren Töne wieder deutlich zurück gefahren, der „Holy Service“ (wieder aus einer hochkarätigen Allstar-Besetzung bestehend) begleitet den Reverend behutsam und zurückhaltend: Zur mal geschrammelten, mal folkig perlenden Gitarre und der brüchig-rauen Stimme gesellen sich hier und da eine Blues-Harp, ein vorsichtiges Schlagzeug, eine Akzente setzende E-Gitarre oder ein paar atmosphärische Kontrabass- oder Akkordeonklänge. Und die Kalimba vom „Mayfly“-Album ist auch wieder an Bord des „Hobo Submarine“, genauso leise und unaufdringlich wie die Ukulele, die sich an genau der richtigen Stelle melodieselig in den Dienst des Gesamtsounds stellt.

Heraus kommt nicht mehr und nicht weniger als unaufdringlich-perfektionistischer Alternative-Folk, dem man seine über 20-jährige Entwicklungszeit anhört: Da ist nichts unausgegoren, nichts überladen. Da ist kein Ton zuviel und kein Wort überflüssig. Da ist keine Faser gewollter Modernismus. Das Gegenteil ist der Fall: Das ist Musik, die „gut abgehangen“ ist und „abgehängt“ vom falschen Zeitgeist: Sie ist im besten Sinne zeitlos! Musik, die dem Alltag das Besondere abringt, die eine angenehm traurige Hoffnung verbreitet, die Mitleid hat mit dem abgefundenen Personal, das ihre Songs bevölkert und die die Protagonisten der Nebensächlichkeiten feiert wie Pokalsieger. Das sind Songs, die die Gänsehaut auf den Ledernacken und die Träne ins Knopfloch zaubern können, die sich ganz unprätentiös in einem hinteren Winkel der Seele einnisten und einen dort nicht mehr loslassen. Sie klingen noch lange nach, wenn die Sonne im Rückspiegel orangerot untergeht – egal ob auf der A66, dem Highway 61 oder kurz vor dem Marianengraben. Oder eben Sonstnirgendwo…!

Claudius Grigat

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